Entstehung der
Siemens-Siedlung Staaken und des Vereins
Der öffentlich geförderte Wohnungsbau kam während der Weltwirtschaftskrise in den 1920er Jahren zum Erliegen.
Insgesamt, aber auch für Kurzarbeiter und Arbeitslose, resultierte daraus eine große Not bezahlbaren Wohnraum zu finden.
Ab dem Jahre 1931 hat die deutsche Regierung beschlossen, bezahlbaren Wohnraum zu fördern. Hierzu zählten auch die Errichtung von Kleinsiedlungen.
1932
Die Planung für die Kleinsiedlung Staaken durch die Siemens AG beginnt und die Wohnungsbaugesellschaft Siemensstadt GmbH wurde mit der Ausführung beauftragt. Der Architekt Hans Hertlein übernahm die Planung des Projektes.
Es stand jedem Kurzarbeiter von Siemens frei, sich auf eine Siedlerstelle zu bewerben. Insgesamt bewarben sich ca. 900 Arbeiter. Nach einem Auswahlverfahren, bei dem u.a. Alter, Kinderanzahl, Beruf und weitere Kriterien berücksichtigt wurden, konnten die zukünftigen Siedler einen Siedlervertrag schließen.
Diese Siedlerverträge hatten eine Laufzeit von ca. 4 Jahren und verpflichteten die zukünftigen Siedler beim Bau der Siedlung, einschließlich der Häuser, Zaunanlagen und Straßen mitzuwirken. Aber auch die Bewirtschaftung der Grundstücke nach der Errichtung wurde vertraglich geregelt.
Unter Berücksichtigung der Arbeitszeiten bei Siemens wurden Arbeitskolonnen eingeteilt, die entsprechend die Häuser errichteten. Jeder Siedler leistete im Durchschnitt ca. 1000 Arbeitsstunden.
Erst nach Fertigstellung der Häuser und Grundstücke wurde per Los entschieden, welche Siedlungsstätte der jeweilige Siedler und seine Familie nutzen konnte.
Innerhalb der ersten 4 Pachtjahre mussten die Siedler nachweisen, dass sie die Siedlerstelle ordnungsgemäß erhalten und bewirtschaften können. Erst nach diesen 4 Jahren konnten die Siedlerstellen erworben werden.
1933
Bereits im Herbst 1932 waren die ersten und 1933 alle 216 Siedlerstellen fertiggestellt und bezogen.
Das Konzept der Siedlung sah vor, dass sich die Siedler durch landwirtschaftliche Tätigkeit auf den jeweils ca. 900qm großen Grundstücken einen Teil ihrer Ernährung sichern konnten.
Beim Bezug der Siedlerstelle erhielt jeder Siedler folgendes Inventar:
6 Hühner
Jeweils 2 Apfel-, Birnen- und Pflaumenbäume sowie zwei Sauerkirschen
15 Johannisbeersträucher , 5 Stachelbeersträucher sowie Saatgut.
Diverses Werkzeug zur Bestellung der Anbauflächen.
1934
Entsprechend den Siedlerverträgen war es ursprünglich geplant, dass die Siedler Mitglied einer Genossenschaft würden.
Mit Zustimmung der Stadt Berlin wurde jedoch anstelle der Genossenschaft der Verein Siemens-Siedlung-Staaken e.V. gegründet.
Die erste Satzung des Verein „Siemens-Siedlung Staaken e.V.“ wurde am 02.04.1934 beschlossen.
Die Mitgliedschaft aller Siedler im Verein war verpflichtend.
Die Aufgabe des Vereins bestand darin die Gemeinschaft der Siedler zu fördern, die Anlage, Erhaltung und Pflege des gemeinschaftlichen Eigentums zu koordinieren.
Ebenfalls wurden Straßen und Erholungsflächen dem Verein übertragen.
Nach dem Konzept der Siemens-Siedlung Staaken entstanden darauffolgend die Siedlungen im Specktefeld und zwei weitere am Hohenzollern Kanal.
Für weiter gehende Informationen steht Euch der Vorstand gern zur Verfügung. Bitte nutzt hierfür das Kontaktformular.
1937
Am 5.März 1937 wurde im Vereinsregister unter der Nummer 7983 eine Namensänderung vorgenommen.
Der Name des Vereins wurde geändert in :
„Verein Siemenssiedlung Staaken“
1945
Nach dem Krieg wurde der „Zentralverband der Kleingärtner Siedler und bodennutzenden Grundbesitzer“ von den Alliierten Militärbehörden zugelassen
Der Verein führte den Namen
„Verein Siemens Siedlung Staaken e.v.“
Nach Gründung des VKSK ( Verband der Kleingärtner , Siedler und Kleintierzüchter ) im November 1959 erhielt der Verein den Namen
" Siedlersparte 221 Staaken"
1961
Die Gemeinde Staaken , ( heute bekannt als Weststaaken )als Grenzort zu Westberlin mit dem Grenzübergang Heerstr./Staaken , hatte ca. 5000 Einwohner.
Alle politischen Parteien in der DDR und die größten Organisationen , bildeten die „Nationale Front“ . Unter Ihrer Führung gab es in allen Orten der DDR die Bewegung
„ Schöner unsere Städte und Gemeinden, Mach mit ! „
Im Ehrenamt verschönerten viele Bürger Ihre unmittelbare Wohnumgebung. Dazu gab es in den Orten Wohnbezirke , die diese Arbeit koordinierten. Sie wurden, von im Ort ansässige Betrieben, als Patenbetriebe, unterstützt.
Staaken war zur damaligen Zeit in 4 Wohnbezirke unterteilt.
Das Territorium der Siemenssiedlung, der Torweg , der Ernst-Thälmann Platz, sowie die Ernst Thälmannstrasse
( heute Isenburger Weg ) bildeten den Wohnbezirk 3.
Unser Verein existierte losgelöst vom Wohnbezirk und arbeitete dennoch an gemeinsamen Projekten.
Das Vereinsleben richtete sich nach den Leitlinien des VKSK. ( Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter ).
Der Verein hatte zu der Zeit, einen gewählten Vorstand.
In der Siedlung gab es keine Vorgaben über Art und Menge des Anbaus von Obst und Gemüse, sowie Kleintierhaltung. Was angebaut wurde, ernteten und verbrauchten die Siedler für den Eigenbedarf.
Der Wohnbezirk, und im Rahmen des VKSK die Siedler unserer Siedlung, organisierten viele gemeinsame Vorhaben. Der Patenbetrieb „ Quarzschmelze Staaken „ unterstützte diese Vorhaben finanziell und materiell.
So wurde auf dem Gelände zwischen Torweg/ Thälmannstrasse und Geisblattpfad , ehrenamtlich eine Freilichtbühne errichtet.
Hier fanden bis 1990 viele Veranstaltungen statt.
ab 1990
Mit dem Tag der Deutschen Einheit lösten sich die bestehenden gesellschaftlichen Strukturen auf. ( Wohnbezirke, VKSK u.a. )
Als seit 1961 , historisch geteilter Ort , hatten viele Weststaakener Ihren Ort verlassen und zum Teil Grundstücke und Häuser zurückgelassen.
So gab es in den Jahren nach 1990 viele Rückübertragungsansprüche. Eine schwere Zeit für viele Siedler, die zwar wussten ,das es nicht Ihre Häuser waren, sie aber in den zurückliegenden Jahren, pflegten, umbauten und tolle Gärten anlegten.
Begriffe wie Ossi und Wessi tauchten auf . Alteigentümer forderten Grundstücke zurück um Sie dann meistbietend zu Verkaufen, aber auch mit Tränen in den Augen nahmen „ Westdeutsche „ das Haus Ihrer Eltern wieder in Besitz.
Im Miteinander , nennen wir es so, warteten die Menschen ab.
Und dann kamen die Vorstellungen für die Gestaltung der Siedlung vom Bezirksamt Spandau. ( Denkmalschutzvorschriften, Strassenausbau und Bebauungsplan ) waren aus dieser Zeit Reizworte, die die Unterschiede zwischen Ossi und Wessi verblassen ließen.
Das rief bei nahezu allen alten und neuen Anwohnern Ablehnung hervor.
So besann man sich auf das Miteinander und kam gemeinsam ins tun.
Und der Altverein, Siemens- Siedlung Staaken e.V. , der nie gelöscht wurde im Vereinsregister Charlottenburg , wurde in den Jahre 1996 bis 1998 widerbelebt und fand mit dem Vereinsheim im Distelpfad 1 ein neuer altes zu Hause.





